Tomate Around the World

03März
2015

Ankommen

Wir sind wieder da. Vor 3 Wochen, am Freitag dem 13.2. (alle Abergläubigen sagen „Uuuuhhh“) sind wir in Frankfurt gelandet. Nach einer gefühlten Ewigkeit am Gepäckband und einer gut 2-stündigen Bahnfahrt wurden wir schließlich in Aachen herzlich von unseren Familien in Empfang genommen. Wie fühlt sich das an? Toll. Natürlich waren wir traurig, dass unser Abenteuer ein Ende genommen hatte, aber es war ein tolles Gefühl, wieder vertraute Menschen in einer vertrauten Umgebung um sich zu haben.

Tomate sind wieder da

Das erste Wochenende war ganz dem Wiedersehen von unseren Familien und einigen Freunden gewidmet. Es wurde viel umarmt und erzählt. Außerdem stürzten wir uns auf einige kulinarische Spezialitäten, die wir gerade in den letzten Wochen unterwegs sehr vermisst hatten. Man glaubt gar nicht, wie sehr einem richtiges Brot, ein Schnitzel oder vernünftige Pommes fehlen können. Auch wenn sich unsere internationalen Mitreisenden wohl bis zum ersten Biss in eine richtige belgische Pommes nicht vorstellen können, dass man die einfach nicht mit Mäckes vergleichen kann, wissen sie, dass das was ganz Besonderes sein muss. Schließlich lief uns die letzten 2 Wochen alleine bei der Vorstellung der Sabber im Mund zusammen.

Nach diesem ersten Wochenende, das uns noch sehr unwirklich vorkam, kamen wir am Rosenmontag in unserem vorläufigen Zuhause im Selfkant an. Wer nicht weiß, wo das ist, sucht bitte auf der Karte den westlichsten Zipfel Deutschlands. Die Gemeinde Selfkant besteht aus zahlreichen kleinen Dörfchen und wird vermutlich von mehr Hühnern als Menschen bewohnt. Für unseren Haushalt trifft das zumindest zu. Wir wohnen hier nun mit 2 unserer Freunde und deren Tochter, die sich getraut haben uns aufzunehmen, bis wir Fuß gefasst haben. Danke nochmal dafür! Ihr seid uns echt eine große Hilfe!

Anfangs hatten wir etwas Angst, dass wir hier in der Abgeschiedenheit den Kulturschock bekommen, der unterwegs überraschend harmlos ausgefallen war. Aber tatsächlich genießen wir die Stille hier sehr, da wir uns so angenehm entschleunigt fühlen (oh wie toll, dass wir das Wort auch mal benutzen konnten!) und uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Das Wesentliche bestand zunächst daraus, uns wieder arbeitslos zu melden und um unsere Krankenversicherung zu kümmern. Nun schreiben wir fleißig Bewerbungen und sind wohl noch lange damit beschäftigt, Dinge zu holen, die beim Umzug nicht da gelandet sind, wo wir sie brauchen. Was unsere Umzugshelfer von damals nämlich schon wussten: Wir haben es nicht geschafft eine Weltreise und einen Umzug gleichzeitig zu organisieren. So stellen wir uns regelmäßig die Frage: „Warum ist Gegenstand A in Kiste B gelandet, die an Ort C steht?“.

Aber genug vom Ankommen. Alles in allem können wir nämlich sagen, dass wir gut angekommen sind und uns schon gut wieder eingelebt haben, auch wenn wir noch unseren Rhythmus neu finden müssen.

Was haben wir denn von der Reise mitgenommen? Auf jeden Fall eine Menge Eindrücke, die uns noch lange bewegen werden. Eindrücke von Menschen, die ganz andere Sorgen haben als wir in einem reichen Land. Eindrücke von Kulturen, von denen wir vorher wenig bis nichts wussten und auch jetzt nur einen vagen Einblick haben. Eindrücke von Städten, die größer und ganz anders organisiert sind, als die Städte hier. Und vor allem Eindrücke von Landschaften und Naturphänomenen, die uns einfach zum Staunen gebracht haben. All das kann uns nichts und niemand mehr nehmen und das macht uns wirklich glücklich. Wie die Erfahrungen unserer Reise sich langfristig auf unser Leben auswirken, wissen wir noch nicht. Vielleicht versickert das alles auch wieder im Sand, wenn wir einen Job haben. Aber einige Dinge bemerken wir schon. Wir sind ruhiger und gelassener geworden, hinterfragen mehr und achten mehr darauf, was uns gut tut. Wir wollen keinen „üblichen“ Lebensweg mehr gehen nur, weil man das halt so macht, sondern wollen ab und an einen Traum wahr machen. Und wir haben gesehen, dass das geht.

Am Ende des Ganzen können wir nun auch endlich die am häufigsten gestellte Frage beantworten: „Wo hat es euch denn am besten gefallen?“. In Südamerika. Für Reni ist es der ganze Südamerika-Tripp, für Tom speziell Bolivien. Jeder Abschnitt unserer Reise hatte seine eigenen Reize. Die USA hatten unglaubliche Landschaften und berühmte Städte; Mexiko hatte viel Geschichte und tolles Essen; Neuseeland hatte Naturphänomene und eine geheimnisvolle Schönheit; Australien hatte Traumstrände und eine sagenhafte Artenvielfalt, besonders unter Wasser; Südostasien hatte fremde Kulturen und tolles Essen. Aber Südamerika hat uns mit einer Kombination aus all dem und dazu seinen entspannten,warmen Menschen einfach gepackt. Wir haben noch lange nicht alles gesehen, aber das wollen wir nachholen. Wir haben nicht zum letzten Mal unsere Füße auf diesen wundervollen Kontinent gesetzt.

Am Schluss wollen wir noch etwas loswerden: Man muss keine Weltreise machen, um glücklich zu werden. Aber wir wissen, dass es viele Menschen gibt, die davon oder von etwas Ähnlichem träumen. Die Gründe, warum sie es nicht machen, sind nicht immer Geld oder dass sie in ihrer jetzigen Lebenssituation schon glücklich und zufrieden sind. Oft sind die Gründe eher, dass sie sich nicht trauen oder dass andere von ihnen erwarten, nach der Schule ihre Ausbildung oder ihr Studium zu machen, dann zu arbeiten, eine möglichst gute Karriere hinzulegen und ihre Träume zu erfüllen, wenn sie in Rente sind. Wir hätten das wohl genauso gemacht, aber wären auf kurz oder lang krank geworden, wenn wir einfach so im alten Trott weiter gemacht hätten. Deshalb sollten sich die, die davon träumen, etwas anders zu machen, und es sich finanziell und körperlich leisten können, einfach trauen. Es kann euch keiner garantieren, dass ihr das noch könnt, wenn ihr alt seid oder auch nur fünf Jahre weiter. Außerdem haben wir unterwegs niemals den Satz gehört: „Ich habe meinen Job gekündigt, um zu reisen und ich bereue es.“. In diesem Sinne: Traut euch, wenn ihr von etwas träumt.

Da dies nun der letzte Blogeintrag sein wird, möchten wir uns nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die uns so treu gefolgt sind. Es hat Spaß gemacht, unsere Erfahrungen mit euch zu teilen!

12Februar
2015

Aus und vorbei

Jetzt ist tatsächlich der Tag gekommen, an dem wir von unserem Dasein als Weltenbummler Abschied nehmen müssen. Noch eine Nacht schlafen, ein fast 13-stündiger Flug und eine Bahnfahrt von bisher unbekannter Länge (wir sprechen schließlich von der DB) trennen uns von Zuhause. Und wie fühlt sich das so an? Es ist ein bisschen was von allem dabei. Große Vorfreude, bald unsere Lieben wieder zu sehen; Wehmut, dass wir nun vom Reisen vorerst Abschied nehmen müssen; Panik vor der "Wiedereingliederung" ins normale Leben. Aber erstmal gibt's noch von ein paar letzten Weltreise-Tagen zu berichten...

Auf dem langen Weg von der laotischen Grenze nach Chiang Mai stoppten wir für einen kleinen kulturellen Ausflug am weißen Tempel Wat Rong Khun in Chiang Rai. Das kam uns allen sehr gelegen, da wir nach 2 Tagen auf dem Boot und dem Grenzübergang nach Thailand mit zahlreichen Verkehrsmitteln wirklich genug vom Sitzen und Rumfahren hatten. Der weiße Tempel ist der neueste, den wir bisher bewundern durften. Erst 1997 begann der Bau und er ist lange noch nicht fertig gestellt. Die Tempelanlage ist vollgestopft mit moderner Kunst und größtenteils sehr, sehr weiß. Abgesehen vom Klo. Das ist golden. Naja, zumindest von außen. Beim Besuch der "Golden Toilet" mussten wir mit Enttäuschung feststellen, dass die Drüberhock-Klos einfach nur weiß waren. Unser Besuch beim weißen Tempel war sehr erfrischend. Er war so völlig anders, als die Tempel, die wir bisher gesehen hatten und die (inklusive Buddhas) irgendwann alle gleich aussehen. Außerdem konnten Disney-Fans sich ohne große Probleme in den Film "Frozen" (oder "Die Eiskönigin") versetzen.

Wat Rong Khun

In Chiang Mai angekommen gab es reichlich zu sehen, wie z.B. ein Blumenfest oder jede Menge Tempel. Wir hatten aber auf nichts dergleichen so wirklich Lust, sondern wollten uns erstmal von den Strapazen des Reisens erholen und auf einen ereignisreichen Abend vorbereiten. Schließlich hat Chiang Mai neben einem schönen bunten Nachtmarkt, den wir uns mit Ruhe am Abend gönnten, noch etwas anderes Buntes: Ladyboys. Fast unsere ganze Gruppe fand sich zur Show am Abend ein. Anhand der Bar, wo die Show stattfand, erwarteten wir erstmal nicht viel. Die Show an sich war aber echt sehenswert. Sie war vergleichbar mit einem Travestie-Theater. Es wurde gesungen (oder eher geplaybackt), getanzt und die Kostüme waren teilweise sehr schrill. Bei einigen Ladyboys auf der Bühne hätte man nicht gedacht, dass sie als Mann geboren wurden, während bei der einen oder anderen Kellnerin etwas Verdächtiges unterm Minirock baumelte. Wir hatten jedenfalls alle einen tollen Abend und niemand von uns hat bereut, sich diese etwas andere Show angesehen zu haben.

Ladyboy-Show in Chiang Mai

Am nächsten Morgen freuten wir uns auf eine Aktivität, die in Neuseeland unser beider Interesse geweckt hatte: Ziplining (zur Erinnerung: Man saust an einer Art Laufkatze an einem Seil über einen Abgrund, der unterschiedlich hoch sein kann.). In Chiang Mai gibt es eine der besten Zipline-Strecken der Welt (vielleicht sogar die beste) mit der längsten Zipline der Welt. Diese ist 800m lang und da wird man schon verdammt schnell. Wir brachen also früh zu unserem Abenteuer auf und verbrachten den Rest des Tages im Dschungel hoch über dem Boden. Die Strecke machte ihrem Namen "Flight of the Gibbon" alle Ehre, denn wir fühlten uns manchmal wirklich, als würden wir fliegen und außerdem sahen wir einige der Gibbon-Affen, die dort neben den Ziplines leben. Wir hatten riesigen Spaß beim Sausen durch die Baumkronen, Reni hatte fast keine Probleme mit ihrer Höhenangst, weil es einfach zu gut war, und die riesige Zipline haute uns einfach nur um. Wir waren unglaublich schnell und trotzdem eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Reni hatte dabei auch noch ein kleines chinesisches Mädchen auf dem Rücken, da beide zu leicht waren, um die größte Zipline alleine zu machen. Wir hatten also einen gelungenen Tag und ein würdiges letztes Abenteuer, bevor es am Abend mit dem Nachtzug zu unserem letzten Ziel Bangkok ging.

Gibbon-Affe Zipline-Reni Zipline-Tom

Der Nachtzug war der beste, den wir auf unserer Reise hatten. Wir schliefen wie Babies in den Betten, die der Zugbegleiter in ca. 20 Sekunden aufbaute. In Bangkok angekommen hatten wir erstmal kein richtiges Ziel, da wir das Meiste der großen Sehenswürdigkeiten schon gesehen hatten. Wir schauten uns den Goldenen Berg an, von dessen Spitze man einen tollen Ausblick über die Stadt hat, und schlenderten durch eine Gasse, wo man sich auf die Herstellung von Bettelschalen spezialisiert hat. So richtig spektakulär war das nicht, aber ganz nett.

Dooooong Bangkok von oben Glocken auf dem Goldenen Berg

Mittags stand ein Wiedersehen auf dem Programm: Ross und Jan aus unserer Happy Family in Südamerika waren ebenfalls in Bangkok und wir trafen uns auf einen Kaffee zum Plaudern über "gute alte Zeiten" (vor 3 Monaten) und unsere jeweiligen Erlebnisse als Weltreisende seit dem Abschied in Lima. Am Abend hatten wir dann unser letztes Abendessen mit unserer Gruppe. Leider fiel das etwas lieblos aus, was wohl einerseits an unserem Guide lag, andererseits auch daran, dass einige in der Gruppe krank waren. Daher entschieden wir, uns alle nochmal zum Frühstück zu treffen. Das war weniger lieblos und so hatten wir noch einen würdigen Abschied von unserer YOLO-Familie. Auch wenn man die Menschen, die man auf Reisen trifft, noch nicht lange kennt, sind die Abschiede oft besonders schmerzhaft. Man ist sich in dieser sehr intensiven Zeit nah gekommen und hat den einen oder anderen richtig gut kennen und mögen gelernt. Gleichzeitig weiß man, dass man einen Großteil dieser Menschen nie wieder sehen wird, weil es sich einfach nie mehr ergibt, dass man zur gleichen Zeit am gleichen Ort auf der Welt ist. Deshalb und auch, weil es für uns das Ende unseres Abenteuers bedeutete, war der Abschied wirklich traurig.

Nach diesem sehr emotionalen Morgen trafen wir uns nochmal mit Ross und Jan im Khao San-Road, der Straße, wo angeblich alle hippen Reisenden hin müssen, wenn sie feiern oder einkaufen wollen. Wir trafen uns zu einem Einkaufsbummel, der aber recht erfolglos blieb, da es auch im hippen Khao San-Road den gleichen Mist gibt wie überall.

Khao San-Road

Nach unserem zweiten Abschied von den beiden machten wir uns auf den Weg ins letzte Hotel unserer Reise. Das war eine totale Offenbarung. Wir hatten unseren Best Western-Gutschein von der Abschiedsparty (danke nochmal an alle Beteiligten!) bis zum Schluss aufgespart und gönnen uns nun drei Nächte in einem Best Western Plus-Hotel, wo einem wirklich der Allerwerteste nachgetragen wird. Auf Dauer wäre das nichts für uns. Nach 7 Monaten Weltreise mit den unterschiedlichsten Unterkünften ist das aber mal ein Luxus, der echt gut tut. Die letzten Tage haben wir nun mit Shoppen auf diversen Märkten verbracht, mit der Suche nach einem Waschsalon, da das Wäschewaschen im Best Western Plus dann doch zu teuer ist, und mit einem letzten Mittagessen mit ein paar "Übriggebliebenen", unter anderem den Schottinnen, die wir in Ho Chi Minh City verloren hatten. Nun sind es nur noch ca. 12 Stunden, bis wir die Stadt in Richtung Heimat verlassen.

One night in Bangkok...Blick von unserem Hotelzimmer

Es ist noch zu früh, um zu sagen, was wir von dieser Reise mitnehmen werden. Klar ist, dass wir viele wichtige Erfahrungen gemacht haben, viel gesehen haben, an das wir uns unser Leben lang erinnern werden (sowohl positiv als auch negativ), dass wir einige tolle Bekanntschaften gemacht haben und neben dem ganzen Reisen und Die-Welt-Entdecken auch gelernt haben, das was wir zu Hause haben, viel mehr zu schätzen. Das hier wird nicht unser letzter Eintrag im Blog sein. Trotzdem möchten wir uns schonmal herzlich bei allen treuen Lesern bedanken. Es hat immer wieder Spaß gemacht, Euch auf dem Laufenden zu halten mit dem Wissen, dass es da draußen Leute gibt, die sich für unsere Erlebnisse interessieren. Auch wenn sich bei den Kommentaren meistens nur drei ein Wettrennen geliefert haben (auch vielen Dank dafür!), wissen wir, dass viel mehr Leute hier regelmäßig reingeschaut haben. Und das hat uns immer das Gefühl gegeben, einen Draht nach Hause zu haben, egal wie weit wir entfernt waren. Wenn ihr wollt, könnt ihr bald nochmal reinschauen und lesen, wie es zwei Weltenbummlern geht, die zurück in die harte Realität finden müssen. Aber den meisten werden wir das ja dann auch selbst erzählen können...

07Februar
2015

L(a)ost

Es ist schon komisch, dass wir Euch bisher noch nicht von der seltsamen Eigenschaft unserer Gruppe geschrieben haben, auf dem Weg gelegentlich Leute zu verlieren. An zwei Orten (Ho Chi Minh City und Hanoi) war es geplant, dass wir einige Leute verlieren und dafür neue dazu bekommen, da sich unsere Tour aus 3 kleinen Touren zusammen setzt. Nun haben wir aber schon zum zweiten Mal unplanmäßig jemanden zurück lassen müssen. In Ho Chi Minh City traf es unsere beiden schottischen Mitreisenden. Sie dachten, dass die Frau im Reisebüro ihre Reise als Ganzes gebucht hatte. Dass das nicht so ist, stellten sie fest, als wir schon auf dem Weg zum Bahnhof waren und unser Guide Lavy merkte, dass er nicht genug Tickets für uns alle hatte. So mussten sie also wieder zurück zum Hotel und dort eine neue Gruppe vervollständigen. Letzte Woche Samstag traf uns dann ein mittelgroßer Schock, als wir von Hanoi nach Vientiane, Laos flogen. Wir reihten uns alle brav am laotischen Migrationsbüro auf, um unsere Visa zu bekommen. Unser US-amerikanischer Mitreisender Ryan wurde aber rausgefischt, da er keine freie Seite mehr im Pass hatte. Wir dachten anfangs noch, dass es dafür eine einfache Lösung gibt (Visum über alte Stempel kleben). Am Ende des Tages durfte er aber tatsächlich nicht nach Laos einreisen und wurde postwendend nach Hanoi zurück geschickt. Die Ironie in der Geschichte: Als er wieder nach Vietnam einreiste, klebten die Grenzpolizisten ihm ohne mit der Wimper zu zucken das neue Visum auf das gebrauchte Kambodscha-Visum.

Wir sind jetzt also nur noch mit 14 Leuten unterwegs und haben natürlich wieder einiges erlebt. In Halong Bay schauten wir uns bei einer Bootstour die unzähligen Felseninseln an, die UNESCO-Weltnaturerbe sind. Leider war es ein bisschen nebelig, aber trotzdem schön anzusehen mit teilweise surrealen Felsformationen. In der Bucht gibt es zudem die Sung Sot-Höhle, die in sagenhafter Weise mit Stalaktiten (hihi, „titen“) und Stalakmiten gefüllt ist. Das Ganze war schon sehr touristisch und zudem in allen möglichen Farben angestrahlt. Aber das bunte Licht in der Höhle verstärkte das Gefühl, sich in einer Traumwelt zu befinden.

  Halong Bay küssende Hühner oder Hahnenkampf in Halong Bay Halong Bay Sung Sot-Höhle

Nach diesem Tag wie im Fantasy-Film ging es weiter nach Hanoi. In der vietnamesischen Hauptstadt war nicht mehr viel traumhaft. Es war laut, dreckig und vollgepackt mit Menschen, Motorrollern und allen denkbaren Geschäften. Wir akklimatisierten uns erstmal und besuchten dann am Abend eine traditionelle Vorführung mit Wasserpuppen. Das war für uns jetzt kein besonderes Highlight, da wir weder große Theater- noch Marionettenfans sind. Es war aber alles in allem ganz hübsch und mit einer Stunde auch recht kurzweilig. Den nächsten Tag verbrachten wir mit einem Stadtrundgang auf eigene Faust. So viel gab es nicht zu sehen: ein paar alte Gebäude, lebhafte Einkaufsstraßen und bizarre Marktstände, bei denen man lebendige Fische, Frösche und Schildkröten zum Verzehr kaufen kann. Also endete unser Rundgang früh und wir streiften noch ein bisschen durch die weniger lebendigen Teile des Dong Xuan-Marktes. Am Abend begrüßten wir dann wieder unsere neuen Mitreisenden und verabschiedeten einige der alten bei einem kurzen Partyabend (um Mitternacht schließt die Polizei in Hanoi alle Bars).

verrücktes HanoiDong Xuan-Markt

Am nächsten Tag stand dann oben genannter Flug an, den wir (anders als andere) inklusive Einreise gut überstanden. In der laotischen Hauptstadt Vientiane hatten wir nicht so viel Zeit und somit schauten wir uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der laotischen Hauptstadt bei einer kompakten Tuk Tuk-Tour an. Auf dem Programm standen zwei Tempel, eine goldene Stupa, in der ein Brustknochen von Buddha aufbewahrt werden soll, das Cope-Center, in dem u.a. mit Spenden von Besuchern Prothesen für Opfer von Blindgängern (Bomben und Granaten, die nicht im Krieg explodiert sind und nun im Boden schlummern) hergestellt werden und ein Triumphbogen, der dem in Paris nachempfunden ist. Viele der „alten“ Gebäude waren jedoch im Laufe ihrer Geschichte schon mal zerstört und nachher wiederaufgebaut, so dass sie nicht all zu authentisch wirkten. Vientiane war als sehr kleine Hauptstadt mit entsprechend wenig Straßenverkehr für uns eine Erholung und außerdem in einem halben Tag schon ganz gut zu erkunden.

goldene Stupa Graffiti-Mönch in Vientiane Triumphbogen

Nach der Tuk Tuk-Tour fuhren wir nach Vang Vieng. Das ist ein kleiner Ort am Mekong, in dem man kaum einem Einheimischen begegnet und der sich komplett dem Tourismus verschrieben hat. Man kann alle möglichen Aktivitäten buchen, die irgendwas mit der umliegenden wunderschönen Natur zu tun hat. Wir entschieden uns für ein Paket mit Cave Tubing (man schwimmt in einer Art Schwimmreifen auf einem Fluss durch eine Höhle), Kajaken auf dem Mekong und Schwimmen in der „blauen Lagune“. Das Tubing war weniger abenteuerlich als man es sich vorstellt. Wir glitten gemächlich an einem Seil entlang durch die Höhle. Da war das größere Abenteuer Renis Diskussion mit einem der Guides, der ihr den Reifen in Kindergröße nicht geben wollte. Das Kajaken machte dafür umso mehr Spaß. Wir machten ein richtiges Rennen daraus, bei dem wir beide gar nicht mal so schlecht aussahen. Und im Gegensatz zu ein paar anderen (u.a. einem der Guides) landeten wir nicht im Wasser. Das Schwimmen zum Schluss war sehr überlaufen und die blaue Lagune war eher bräunlich grün. Besonders Tom machte aber das Beste draus, indem er von einem Baum springend seine auf Reisen gelernten Backflip-Künste zeigte. Wir hatten also alles in allem einen echt lustigen Tag, an dem wir uns endlich nochmal etwas bewegt haben.

Mekong in Vang Vieng

Nächstes Ziel nach Vang Vieng war Luang Prabang. Dort sind die Aktivitäten, für die sich die meisten entscheiden, Elefantenreiten und den Mönchen Almosen geben. Auf das Elefantenreiten waren wir nicht besonders scharf, da wir nicht wussten, wie gut mit den Tieren umgegangen wird. Auch das frühe Treffen mit den Mönchen (6 Uhr morgens am Tempel) sagte uns nicht so zu, da das Almosen-Geben eigentlich ein religiöses Ritual ist und wir dachten, dass wir da als weniger religiöse Menschen nicht hingehören. Stattdessen entschieden wir uns mit ein paar anderen aus unserer Gruppe dafür, Motorroller zu leihen und eine Tour zu den Kuang Si-Wasserfällen zu machen, wo wir uns im (dieses Mal wirklich) blauen Wasser erfrischten. Dazu sahen wir noch die Bären des angrenzenden Bärenzentrums, das sich für die Rettung von Bären aus verschiedenen Notlagen (z.B. aus dem Zirkus) und die Abschaffung des Missbrauchs von Bären für fragwürdige traditionelle Medizin einsetzt. Ansonsten besuchten wir in Luang Prabang den wirklich schönen Nachtmarkt, probierten das Essen auf der Straße und genossen ein sagenhaftes laotisches BBQ.

auf dem Weg nach Luang PrabangTomate auf dem Motorroller an den Kuang Si-Wasserfällen

Nach Luang Prabang standen für uns zwei lange Tage auf dem „Slow Boat“ an. Dass das Slow Boat eine durchaus vernünftige Art der Fortbewegung auf dem Mekong ist, zeigte sich schnell in Anbetracht der vielen Felsen und ab und zu auch Sandbänken im Fluss. Trotzdem waren täglich 10 Stunden auf dem Boot nicht gerade angenehm und da die Landschaft auch nicht besonders abwechslungsreich war, galt es viel Zeit mit Spielen und Lesen tot zu schlagen. Die Nacht zwischen den Bootsfahrten verbrachten wir bei einem „Homestay“ in einem kleinen Dorf. Naja, abgesehen davon, dass wir im Dorf übernachteten, war daran nicht viel Home. Wir bekamen das Dorf gezeigt, das von Landwirtschaft (besonders Reisanbau) lebt und in dem Schweine, Hühner, Hunde, Kinder usw. alle frei rumlaufen. Wir spielten die Kinder im Dorf müde und aßen unter uns, bevor wir streng nach Männern und Frauen getrennt in kleinen Gruppen auf die Gastfamilien aufgeteilt wurden. Die meisten hatten aber nicht einmal eine Familie, sondern lediglich eine Übernachtungsmöglichkeit. Es war trotzdem mal eine gelungene Abwechslung, nicht im Hotel, sondern in einer Bambushütte mit Außenklo und improvisierter Treppe zu übernachten.

unser Homestay-Dorf Tom gegen die Dorfkinder

Gestern Abend haben wir unseren letzten Grenzübergang vor der Heimkehr absolviert. Wir sind von Laos wieder nach Thailand eingereist und haben dieses Mal niemanden verloren. Wir haben im kleinen Ort Chiang Kong übernachtet und sitzen jetzt im Minibus nach Chiang Mai. Dort werden wir 1,5 Tage verbringen, bevor wir mit dem Nachtzug unserem letzten Ziel Bangkok entgegen fahren. Es ist ein echt seltsames Gefühl, dass es jetzt nur noch so wenig Zeit ist, bis unsere Reise zu Ende ist. Es fühlt sich so an, als könnte es immer so weiter gehen: zwei Tage an einem Ort bleiben, bevor man zum nächsten spannenden Ort weiter fährt, wo man wieder so viel Neues entdeckt. Jetzt müssen wir uns aber wieder an die etwas ernstere Realität gewöhnen. Natürlich freuen wir uns aber auch, unsere Lieben bald wieder zu sehen. Auch wenn man unterwegs viele neue Leute kennen lernt und auch die eine oder andere Freundschaft schließt, ist natürlich nichts zu vergleichen mit den eigenen Freunden und Familien zu Hause. Und ja, es gibt auch einige banale Dinge, die wir vermissen, wie z.B. Brot mit mehr Nährwert als einem Stück Papier oder richtige Pommes. In gewisser Weise können wir es also auch kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Trotzdem genießen wir jetzt noch unsere letzten Tage als Weltenbummler.

28Januar
2015

Wie Gott in Vietnam

Beim letzten Eintrag saßen wir gerade im Bus nach Sihanoukville. Dort erwarteten wir 2 entspannte Tage am schönen Sandstrand. Nun ja, die Tage waren wirklich entspannt. Strand und Ort waren aber etwas anders, als wir gedacht hatten. Sihanoukville ist überlaufen von Touristen, von denen man wohl nicht wenige als Sextouristen bezeichnen kann. In den Bars am Strand kann man noch mehr als in den anderen Orten, die wir bisher gesehen haben, Paare beobachten, die in das typische Schema fallen: sie eine junge, hübsche, schlanke Asiatin, er ein deutlich älterer, unattraktiver Westlicher, der in seinem Land wohl Schwierigkeiten haben dürfte, eine Frau zu finden, die sich seine Fummeleien längere Zeit gefallen lässt. Abends mischen sich unter diese Paare noch die Prostituierten, die die betrunkenen männlichen Touristen abschleppen. Der Strand an sich war ganz schön zugemüllt und neben dem „Western Food“ bekommt man in Strandnähe auch „Happy Pizza“ oder das Angebot „kaufe eine Pizza, bekomme einen Joint geschenkt“ angepriesen. Das hört sich jetzt erstmal alles schrecklich und zwielichtig an. Wir haben uns aber trotzdem eine schöne Zeit dort gemacht.

Nach unserer Ankunft sind wir erstmal mit dem größten Teil unserer Gruppe und unserem Krokodil an den Strand gegangen. Zwischen Sand, Müll und Frauen, die einem eine Massage anbieten, haben wir uns braun (teilweise auch rot) brennen lassen und haben das lauwarme Wasser genossen. Am nächsten Tag stand eine Bootstour mit Schnorcheln und einem Stopp bei einer Insel auf dem Programm. Da einige von uns (dieses Mal nicht wir!) es am Vorabend mit den Cocktails übertrieben hatten, war unsere kleine Seefahrt nicht nur lustig, sondern auch bröckelig. Beim Schnorcheln gab es leider nicht so viel zu sehen, abgesehen von bedrohlichen Seeigeln, die einem unserer Mitreisenden einen vorübergehenden Klumpfuß bescherten. Der Stopp an einer hübschen kleinen Insel mit wirklich schönem Sandstrand war dafür umso schöner. Wir entschieden also, den Rest des Tages dort im seichten Wasser und bei den Baumhäusern zu verbringen.

  am schöneren Strand hübsch aber schmerzhaft

Nach diesen 2 Tagen waren wir also entspannt genug für die lange Busfahrt, die am nächsten Tag folgte. Unser Ziel war erstmal die vietnamesische Grenze und dann ein kleines Dorf im Mekong-Delta, wo wir die Nacht im Gästehaus einer Familie verbringen durften. Die Einreise nach Vietnam war relativ unkompliziert. Das lag aber vermutlich daran, dass wir alle einen Dollar „Gebühr“ in unseren Pass legen sollten, damit der Grenzpolizist uns auch seinen Stempel gab. Während die einfachen Leute kontrolliert werden, dürfen diejenigen, die es in einen höheren Posten einer staatlichen Behörde geschafft haben, machen was sie wollen. Bei unserem Homestay merkten wir nach einem kurzen Rundgang durch das Dorf, wo für uns bei unserem Vietnam-Aufenthalt ein Schwerpunkt liegt: beim Essen. Natürlich sind Kultur, Landschaften, Geschichte usw. auch wichtig für uns, aber das Essen toppt einfach alles. Wir bekamen von den Gastgebern kurz gezeigt, wie man die traditionellen gefüllten Pfannkuchen macht, bevor ein sagenhaftes Dinner aufgetischt wurde. Am nächsten Morgen zeigte uns eine der Gastgeberinnen dann den schwimmenden Markt. Der besteht aus unzähligen Booten auf einem Nebenarm vom Mekong, die insbesondere Obst und Gemüse aus dieser besonders fruchtbaren Gegend anbieten. Jedes Boot bietet dabei in der Regel nur ein einzelnes Produkt an, so dass es z.B. ein Ananasboot oder ein Kokosnussboot gibt. Nach ein paar Snacks und einer Partie Karaoke fuhren wir zurück und machten uns auf den Weg nach Ho Chi Minh City.

unser sagenhaftes Abendessen bei unserer Gastfamilie beim schwimmenden Markt

Wir wurden von unserem Guide Lavy schon vorgewarnt, dass der Verkehr dort noch verrückter ist als im restlichen Vietnam. Aber war das überhaupt möglich? Ja! Besonders das Motorroller-Aufkommen ist so hoch, dass einem als Fußgänger beim Überqueren einer Straße nichts anderes übrig bleibt, als einfach in einen Schwarm Rollerfahrer zu laufen und zu hoffen, dass sie um einen herum fahren. Das funktioniert in der Regel auch. Wenn man aber im geordneten Straßenverkehr Westeuropas aufgewachsen ist, fühlt man sich in HCMC mehrmals täglich dem Tode nah. An schönen Gebäuden gab es es in dieser großen lauten Stadt nicht so viel zu sehen. Wir schauten uns nach unserer Ankunft erstmal den Markt an, flohen aber schnell wieder vor den aufdringlichen Verkäuferinnen, die immer Körperkontakt suchten. Am zweiten Tag stand dann jede Menge Geschichte auf dem Programm. Wir machten eine Tour zum Cu Chi-Tunnel. Dabei handelt es sich nicht nur um einen Tunnel, sondern um ein ganzes Tunnelsystem im Wald des Cu Chi-Bezirks, wo sich während des Krieges die Vietcong vor den amerikanischen Truppen versteckten und diese mithilfe von Fallen und nächtlichen Angriffen bekämpften. Wir bekamen einige der Fallen gezeigt und erklärt und durften durch ein Stück Tunnel kriechen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort lebten. Der Besuch war einerseits lehrreich und faszinierend, da die Vietcong mit äußerst cleveren Methoden erfolgreich gegen eine Armee mit modernen Waffen kämpfte. Etwas seltsam war allerdings die Tatsache, dass ein Schießstand in unmittelbarer Nähe war. So konnten wir permanent Schüsse hören, während unser lokaler Guide uns erklärte, wie viele Menschen dort auf schreckliche Weise umgekommen sind. An dieser Stelle spaltete sich unsere Gruppe in diejenigen, die sich davon distanzieren konnten und sich selbst am Schießstand ausprobierten, und diejenigen, die lieber mit mulmigem Gefühl im Bauch auf den Rest der Gruppe wartete. Nach dem Besuch bei den Tunneln gingen wir ins Kriegsopfermuseum. Dort gab es vor allem viele Fotos (und auch konservierte Föten) zu sehen, die zeigten, welchen Schaden Angriffe mit Napalm und chemischen Waffen wie Agent Orange anrichtete. Das war teilweise ganz schön verstörend. Der geschichtliche Teil war außerdem mehr als nur etwas einseitig. Immerhin sind wir ja in einem kommunistischen Land. Also dauerte unser Besuch im Museum nicht allzu lange.

ganz schön brutal Tom im Cu Chi-Tunnel

In der folgenden Nacht machten wir dann unsere erste von vier Nachtzug-Erfahrungen. Wir hatten eine kleine „personelle Veränderung“, da 3 Leute ihre Tour beendeten, 3 neue dazu kamen und 2 weitere leider erst am Bahnhof feststellten, dass sie die Gruppe wechseln mussten. Sie merkten das nur dadurch, dass unser Guide keine Tickets für sie hatten. Etwas verärgert und verwirrt reisten wir nun also nur noch mit 16 Leuten weiter. Der Nachtzug war im Vergleich zu seinen Nachfolgern in Ordnung und so kamen wir zwar sehr sehr müde (die Züge hier sind ganz schön laut), aber gut in Nha Trang an. Dort war wieder Strand angesagt, dieses Mal aber ohne Müll und Prostituierte. Nach einem Tag am Strand wollten wir uns am nächsten Tag nochmal etwas bewegen und machten mit unserer Schweizer Mitreisenden eine Fahrradtour zu den Ba Ho-Wasserfällen. Dort konnten wir ein paar Runden schwimmen, von Felsen hüpfen und uns von den Fischen die Füße anknabbern lassen (dafür bezahlt man andernorts eine „Fußmassage“).

Sonnenaufgang in Nha Trang mutiger Tom an den Ba Ho-Wasserfällen einer unserer Pools an den Ba Ho-Wasserfällen

Abends ging es dann in den bisher schlimmsten Nachtzug: 6er-Kabinen und Ekelklo sorgten dort für keine sehr erholsame Nacht. Unser Ziel Hoi An entschädigte uns aber dafür. Hoi An hat eine wunderschöne Altstadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Man kann dort viele alte Häuser, Tempel, Kapellen usw. besichtigen und abends eine bunte Pracht an traditionellen Laternen bewundern. Tom machte am ersten Tag eine Mountainbike-Tour, bei der er sich die Umgebung außerhalb der Altstadt anschaute, einen Büffel ritt, Nudeln machte und sich die Produktion von Reiswein und Liegematten anschaute. Neben diesen schönen Dingen kann man sich außerdem für wenig Geld in kürzester Zeit Kleider und Anzüge maßschneidern lassen (Reni hat jetzt zum erstenmal ein Sommerkleid, das so richtig passt) und Kochkurse besuchen. Da wir (wie man vielleicht merkt) wirklich gerne kochen und vor allem essen, ließen wir uns die Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Wir lernten am zweiten Tag erst in einem weiteren Hilfsprojekt von G Adventures, wie man Reisnudeln macht und machten dann abends noch einen ausführlichen Kochkurs, der einen Besuch auf dem Markt und ein sagenhaftes 4-Gänge-Menü beinhaltete. Nachdem wir schon so viele Deutsche auf unserer Reise getroffen haben, trafen wir beim Kochkurs endlich mal ein niederländisches Pärchen. Zusammen mit der quirligen Köchin hatten wir also einen schönen und leckeren Abend.

Tom beim Büffel-Reiten Reni und die Reisnudeln historisches Gebäude in Hoi An Tomate beim Kochkurs

Nach 2 Tagen in Hoi An ging es weiter nach Hue, wo wir nur einen relativ kurzen Aufenthalt hatten. Wir trauten uns, einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Kaisergrab von Minh Mang, Thien Mu-Pagoda, Kolosseum) und die umliegende Landschaft bei einer Motorroller-Tour zu erkunden. Wir fuhren nicht selbst, sondern saßen hinter erfahrenen vietnamesischen Fahreren. Je nach Fahrer bekam der eine oder andere von uns gelegentlich fast einen Herzinfarkt. Aber wenn man in Südostasien ist, muss man diesen Wahnsinn auf den Straßen auch mal hautnah miterlebt haben. Gestern schauten wir uns noch die beeindruckende Zitadelle mit der verbotenen Stadt an, bevor es zum nächsten Nachtzug ging, der uns heute nach Halong Bay gebracht hat. Hier schauen wir uns gleich bei einer Bootstour die Bucht mit ihren Felseninseln an, bevor es morgen schon zum letzten Ziel in Vietnam geht: in die Hautpstadt Hanoi.

mit dem Motorroller durch die Reisfelder Sonnenuntergang über dem Perfume River Thien Mu-Pagoda in der verbotenen Stadt in Hue in der verbotenen Stadt in Hue

17Januar
2015

Tempelritter Tomate

Nach einem etwas wackeligen Flug sind wir letzte Woche Freitag in Bangkok gelandet. Die Stadt wirkte auf uns erstmal groß und laut, aber das waren wir ja schon aus großen Städten in Südamerika gewohnt. Die Einreise ging sehr unkompliziert und so konnten wir uns schnell auf den Weg zu unserem Hostel machen.

Wir trafen erst Montag auf unsere neue Gruppe und den Guide, sodass wir die ersten 3 Tage alleine in Bangkok rumlaufen durften bzw. mussten. Dank der mehr als hilfsbereiten Chefin im Hostel war das aber kein Problem. Sie informierte uns nicht nur über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sondern auch über die gängigsten Maschen, um Touristen über’s Ohr zu hauen. Eine beliebte Masche ist z.B., den Touris zu erzählen, dass der Große Palast heute wegen eines buddhistischen Feiertags geschlossen ist, ihnen dann ein anderes schönes Ziel vorzuschlagen, sie aber stattdessen mit dem Tuk Tuk für viel Geld zu den Geschäften zu bringen. So gut gewappnet mit allen möglichen Infos machten wir uns am Samstag erstmal auf den Weg zu einer ausgiebigen Tempel-Tour. Als erstes Ziel wollten wir zum Großen Palast. Dort kann man auf einem großen Gelände nicht nur den Palast (von außen) bewundern, in dem bis zum 20. Jh. die Könige wohnten, sondern auch die große Tempelanlage Wat Phra Kaeo (mit Smaragd-Buddha) und Museen besuchen. Auf dem Weg dorthin trafen wir eine seriös gekleidete, ältere Dame, die mit uns ein nettes Gespräch anfing. Als sie zu dem Punkt kam, dass ja heute ein buddhistischer Feiertag wäre, wurden wir skeptisch. Ihr Angebot, uns mit dem Tuk Tuk zum Palast zu bringen, da es ja viel zu weit dorthin wäre (5 Minuten Gehweg zum Taxiboot), schlugen wir dann mal lieber aus. So kamen wir zum Palast, ohne über den Tisch gezogen zu werden.

Wir wussten, dass die buddhistische Kultur sehr anders und sehr bunt ist. Was wir aber dort an buntem, glitzerndem Prunk zu sehen bekamen, lässt sich kaum in Worte fassen. Alle Gebäude waren so mit bunten Kacheln, Goldelementen und Statuen verziert, dass wir nur staunen konnten. Wir ließen uns 2 bis 3 Stunden von den Menschenmassen durch die Anlage treiben und machten etliche Fotos, bis wir kurz vorm Ausgang feststellten, dass die Speicherkarte unserer Kamera nicht richtig drin war (gut, wenn die Kamera einem dann nur einen winzigen Hinweis in der unteren Ecke des Displays gibt). Man darf beim Großen Palast nur in eine Richtung gehen und da der Wachmann keine Gnade kannte, wir aber unsere Fotos haben wollten, kaufte Reni kurzerhand nochmal ein Ticket und machte einen 30-Minuten-Rundgang für die Fotos. Ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres.

der Große Palast viel Gold in Wat Phra Kaeo bunt und Gold in Wat Phra Kaeo Anlagen von Wat Phra Kaeo

Da wir zwar etwas überfordert, aber trotzdem noch in Tempelstimmung waren, besichtigten wir danach die Anlagen von Wat Pho. Dort befindet sich unter anderem eine riesige liegende Buddha-Statue. Auch diese Anlagen waren sehr beeindruckend und zum Glück etwas weniger überlaufen als Wat Phra Kaeo. Wir konnten auch neben den vielen westlichen Touristen noch mehr asiatische Touristen oder Einheimische entdecken, die wegen der religiösen Bedeutung zum Tempel kamen. In dem Trubel fällt es zwar etwas schwer, eine andächtige Athmosphäre zu erzeugen, aber tatsächlich beteten viele Leute dort, brachten Räucherstäbchen und Blumen zu den Buddha-Statuen oder spendeten in einem bestimmten Ritual (eine Münze in jeden der unzähligen Töpfe) für die Mönche. Wir wissen mittlerweile auch, wie man sich in einem Tempel richtig verhält: Schultern und Knie bedecken, Schuhe und Hüte ausziehen und niemals mit den Fußsohlen auf Buddha zeigen.

liegender Buddha in Wat Pho Touristen und Buddhisten in Wat Pho Anlagen von Wat Pho

Zum Schluss unseres Tempeltags besuchten wir noch das relativ kleine Gelände des alten Königspalastes Wat Arun auf der anderen Seite des Flusses Chao Phraya, wo wir einige steile Treppen hochsteigen konnten und so einen tollen Ausblick auf die Stadt hatten.

Ausblick von Wat Arun

Nach diesem tollen, lehrreichen, aber auch sehr anstrengenden Tag, gaben wir uns am nächsten Tag einer weiteren wichtigen Aktivität in Bangkok hin: Shopping. Wir wollten eigentlich nicht wirklich was einkaufen, aber wollten uns den Markt und die großen Einkaufszentren in der Stadt auch nicht entgehen lassen. Wir begaben uns erst zum riesengroßen Chatuchak-Markt im gleichnamigen Viertel. In diesem bunten und wahnsinnigen Treiben aus ca. 10 000 Läden und Ständen bekommt man neben kleinen Köstlichkeiten vor allem alles, was der Mensch nicht braucht. Neben jede Menge billigen Klamotten gibt es Kitsch in allen Ausführungen, Haustierbekleidung, Haustiere, Schmuck und Paketshops, um den gekauften Pröll direkt nach Hause zu verschiffen. Teilweise kam man sich vor wie bei einem riesen-Xenos. Dieser Besuch war wirklich interessant, aber auch sehr anstrengend. Daher begaben wir uns danach in die Shoppingmalls. Wir besuchten 3 große Shoppingmalls für jede Preisklasse. In der teuren war gerade Pikachú zu Besuch, sodass man jede Menge durchgedrehten Kindern und Erwachsenen im Pokémon-Outfit begegnete. Die normale Mall war normal. Die billige ähnelte ein bisschen dem Markt nur geordneter und mit fantastischer Fressmeile. Dort verbrachten wir den Nachmittag, bis wir totmüde zum Hostel zurück gingen.

An Tag 3 besuchten wir einen letzten Tempel in Bangkok: Wat Traimit. Dort kann man einen Buddha besichtigen, von dem man bis in die 1950er Jahre dachte, er sei aus Gips. Dann fiel er bei Renovierungsarbeiten im Tempel vom Kran und man stellte fest, dass er ja aus massivem Gold ist. Den schauten wir uns also mit offenem Mund an, bevor wir in China Town versackten.

Gold-Buddha

China Town in Bangkok ist eine Welt für sich. Auf einigen größeren Straßen und in vielen engen Gassen reihen sich Stände aneinander, die Kitsch, Tee, Heilmittel aus der traditionellen chinesischen Medizin und viel exotisches Essen verkaufen. Das ist an einigen Stellen nicht nur eine optische, sondern auch eine olfaktorische Herausforderung. Uns gefiel China Town aber, weil es irgendwie authentisch ist.

Am Abend war es dann wieder soweit: Nachdem wir in das Hotel für die neue Tour umgezogen waren, lernten wir unsere Gruppe und den Guide für die Südostasien-Rundreise kennen. Wir sind 18 Leute aus Großbritannien, Australien, USA, Kanada, Deutschland, Schweiz, Niederlande und Norwegen. Alle sind zwischen 19 und 34 Jahre alt (wir sind tatsächlich nicht die Senioren der Yolo-Tour) und bisher sind wir von der Gruppe sehr positiv angetan. Dazu kommt unser kambodschanischer Guide Lavy, der uns die ganzen 30 Tage begleiten wird.

Mit dieser Gruppe starteten wir gleich am nächsten Tag zum nächsten Ziel Siem Reap in Kambodscha. Bei der Einreise hatten wir nach unseren Erfahrungen an der bolivianischen Grenze schon Schlimmes befürchtet, aber zum Glück war das unbegründet. Wir waren innerhalb von 30 Minuten alle erfolgreich nach Kambodscha eingereist. In Siem Reap angekommen, machten wir unsere erste Fahrt mit dem Tuk Tuk und erfuhren währenddessen von Lavy, dass man in Kambodscha keinen Führerschein braucht. Auch nicht als Tuk Tuk-Fahrer. Das ist nicht sehr beruhigend, aber seitdem wundern wir uns hier im Straßenverkehr über nichts mehr. Wir fuhren zum Projekt New Hope, das von G Adventures (der Firma, mit der wir diese Tour machen) unterstützt wird. New Hope hat in Siem Reap eine kostenlose Schule, eine Arztpraxis mit kleiner Krankenstation und ein Trainingsrestaurant, in dem Jugendliche sich als Koch oder Kellner ausbilden lassen können. Wir durften als „Muttersprachler“ für ein paar Minuten die Lehrer im Unterricht unterstützen, bevor wir uns das gute Essen im Trainingsrestaurant schmecken ließen. Danach ging es früh ins Bett, da wir am nächsten Morgen Großes vor hatten.

Straßen in Siem Reap

Es ging um 4.30 Uhr mit dem Bus nach Angkor Wat. Warum macht man sowas? Das haben wir uns zwischendurch auch gefragt. Der grandiose Sonnenaufgang über der Tempelanlage war aber tatsächlich ein guter Grund, sich so früh aus den Federn zu quälen. Nach dem Sonnenaufgang schauten wir uns erstmal 2 andere Tempel auf dem Gelände der archäologischen Städte Angkor Thom an: Bayon und Ta Prohm. Bayon zeigt viele lächelnde Buddha-Abbildungen, mit denen man (zumindest auf dem Foto) näseln kann. Ta Prohm ist vor allem bekannt als der Tempel aus Tomb Raider. Er ist von Baumwurzeln durchwachsen, die ihn nach und nach zerstören. Das macht aber auch den besonderen Charme des Tempels aus. Nachdem wir uns beide Orte angesehen hatten, gingen wir zurück nach Angkor Wat und schauten uns den riesigen Tempel aus der Nähe an. Das war mal wieder beeindruckend, vor allem wegen des Alters (Baujahr 1181). Leider war es aber auch wieder sehr überlaufen, sodass wir froh waren, am Nachmittag etwas anderes zu machen.

Sonnenaufgang über Angkor Wat Sonnenaufgang über Angkor Wat Brücke mit Buddhas und Dämonen in Angkor Thom Tom und Buddha in BayonTa Prohm Angkor Wat bei Tag

Wir gingen am Nachmittag getrennte Wege. Tom entschied sich mit einigen anderen der Gruppe für eine Quadbike-Tour durch die umliegende Landschaft incl. Fahrt in den Sonnenuntergang. Währenddessen gab sich Reni mit einigen anderen weiblichen Mitgliedern unserer Gruppe den Massagekünsten der einheimischen Damen hin. Sie hat jetzt wohl die entspanntesten Füße schlechthin.

Quadbike-Tom Sonnenuntergang bei Siem Reap

Der nächste Tag bestand vor allem aus einer langen Busfahrt in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Um uns diese etwas zu „versüßen“, überraschte uns unser Guide Lavy nach der Mittagspause mit Snacks der besonderen Art. Es gab Heuschrecken und Kakerlaken. Wir wollten uns diese Chance nicht entgehen lassen. Schließlich hatten wir bisher nur winzige Heuschrecken in Mexiko gegessen und wollten unseren Erfahrungsschatz erweitern. Wir können nun sagen, dass die Krabbeltierchen nussig und bei zu langem Kauen auch etwas muffig schmecken. Könnte man aber durchaus als Knabberei etablieren.

Nomnom

Wir hatten gestern einen freien Tag und entschieden uns als Gruppe geschlossen für eine Tour zum Schlachtfeld Cheung Ek und dem ehemaligen Gefängnis S-21. Wir hatten alle nur ein vages Wissen über das Khmer Rouge-Regime und die Massentötungen. Was wir durch unseren lokalen Guide zu hören und vor Ort zu sehen bekamen, traf uns dementsprechend heftig. Zwischen 1975 und 1979 wurden alleine in Choeung Ek 70.000 Menschen auf bestialische Weise getötet. Es waren vor allem Frauen, Kinder und Gelehrte, da das Regime ein höriges Volk wollte. Wenn man in Deutschland aufgewachsen ist, hat man schon viel im Geschichtsunterricht aus der Geschichte des eigenen Landes gesehen. Aber der Tag war trotzdem sehr emotional. Trotzdem sind wir froh, diese Tour gemacht zu haben, da wir so einen wichtigen Teil der Geschichte des Landes kennen gelernt haben, durch das wir reisen.

Gefängnis S-21

Am Nachmittag machten wir nicht mehr viel. Dafür ließen wir den Abend nach einem leckeren Essen mit einer privaten Hausparty in Phnom Penh ausklingen. Wie kommt man als Tourist an sowas? Indem andere aus der Gruppe Leute kennen, die hier wohnen und uns spontan mit einladen. Nach diesem lustigen Abend sitzen wir nun im Bus nach Sihanoukville. Dort ist vor allem Sonne, Strand und Schnorcheln angesagt. Ein guter Kontrast zu den letzten Tagen.

In unserer ersten Woche Südostasien haben wir Thailand und Kambodscha vor allem als bunt, lebhaft und sehr lecker kennen gelernt. Mal sehen wie wir nach 5 Wochen mit 3 mal am Tag warmem asiatischem Essen aussehen… Wir haben aber in Kambodscha auch schon viel von der Armut gesehen. Es erinnert uns ein bisschen an Bolivien, vielleicht sogar noch etwas ärmer. Da wird man schon nachdenklich, aber nach unserem Besuch bei New Hope wissen wir auch, dass es Menschen gibt, die hier etwas ändern wollen.

08Januar
2015

Tierisch viel Spaß

Da 2015 noch nicht besonders alt ist, wünschen wir Euch allen vorweg noch ein frohes neues Jahr! Nach einer heißen Weihnacht stand für uns der ebenso heiße Jahreswechsel im beschaulichen Boreen Point an. Wir wussten, dass wir uns da nicht gerade in der Partymetropole schlechthin befinden (der Ort hat einen General Store und einen Pub), aber da ein Straßenfest mit Livemusik angekündigt wurde, freuten wir uns auf einen geselligen Abend. Gesellig war es tatsächlich. Nach einer bunten Neujahrsparade der Kinder waren Einheimische und Campinggäste mit Sack und Pack zum Straßenfest gekommen. Die Livemusik wurde im Laufe des Abends immer besser, was kaum am Alkoholpegel liegen konnte. Da im General Store kein Alkohol verkauft wurde, hatten wir nur einen kleinen Rest „Goon“ (billigen Wein im Sack) und ein halbes Sixpack Bier zur Verfügung. Wir freuten uns dann auf das, was um Mitternacht passieren würde. Auf unsere Frage, ob es auch Feuerwerk gibt, hatte uns die Campingplatz-Chefin am Vortag noch geantwortet: „Die haben hier eher so Fackeln, aber man sieht bestimmt das Feuerwerk von Noosa.“. Naja, das „Feuerwerk“ von Noosa beschränkte sich auf geschätzte 5 verkümmerte Raketen und bei uns am Strand standen 4 Männer mit bengalischen Feuern. Auch einen Countdown gab es nicht. Die Band spielte einfach weiter und um kurz nach Mitternacht wurden die Gäste informiert, dass das neue Jahr jetzt übrigens angefangen hatte. Wir ließen uns bei den tropischen Temperaturen das Neujahrsbaden nicht nehmen und stießen im See kniend auf 2015 an. Da waren wir aber so ziemlich die Einzigen. Ein bisschen enttäuscht waren wir von diesem seltsamen Silvesterabend schon, aber so lernen wir unsere Traditionen wieder ein bisschen mehr zu schätzen.

Silvester in Boreen Point

Am nächsten Morgen brachen wir in Richtung Brisbane auf. Auf dem Weg dorthin legten wir einen kleinen Zwischenstopp bei den Glasshouse Mountains ein, einer beeindruckenden vulkanischen Bergformation, von der aus man weit in die Landschaft schauen kann. Wir erklommen den Mount Ngungun, genossen die Aussicht und suchten uns dann einen Campingplatz.

Glasshouse Mountains Glasshouse Mountains

Am nächsten Tag stand ein Zoobesuch auf dem Programm. Wir entschieden uns aber nicht für den berühmten Steve Irwin Zoo, da man dort einfach zu viel für den Namen bezahlt. Stattdessen fuhren wir zum Lone Pine Koala Sanctuary. Dort gibt es zahlreiche tierische Bewohner Australiens zu bewundern, insbesondere natürlich Koalas. Der Zoo bietet neben vielen Info- und Lernveranstaltungen über die Tiere auch Koala-Kuscheln an. Wir sind bei solchen Aktionen mit Wildtieren immer etwas zwiegespalten, aber bei Reni überwog in diesem Fall einfach das „Och wie süß!“. Wir sahen auch, dass die einzelnen Koalas nicht lange für das Kuscheln belästigt wurden und alle sehr entspannt wirkten. Man bekommt beim Kuscheln den Koala kurz unter der Aufsicht eines Pflegers auf den Arm, es werden Fotos gemacht und schon ist der Koala den staunenden Menschen wieder los. Unserer war aber etwas anhänglicher. Er kam anfangs nicht auf die Idee, in die Kamera zu schauen, sondern kratzte sich erstmal in aller Ruhe überall. Er wurde dabei ein bisschen schwer, aber bevor er zu schwer wurde, bekamen wir noch unser Foto. Viele behaupten, dass Koalas stinken. Wir fanden die leichte Eukalyptus-Note im Tiergeruch aber eher angenehm. Außerdem war der Koala soooo flauschig. Beflügelt von diesem Erlebnis gingen wir noch ein paar Kängurus füttern. Oder besser gesagt: Reni fütterte die Kängurus; Tom war froh, Fotos zu machen und keinen Känguru-Sabber an den Händen zu haben.

sehr süß Wer schaut denn da raus?

Der nächste Tag bestand hauptsächlich aus Fahren. Wir nahmen dabei nicht den Highway an der Küste entlang, sondern den New England Highway durch das Inland. Eine nette Lehrerin hatte uns am Vorabend auf dem Campingplatz noch Dinge genannt, die man auf der Strecke von Brisbane nach Sydney machen könnte. Nach einem Besuch bei den „Stone Henge-ähnlichen“ Steinen in Glen Innes (1992 für die keltische Gemeinde dort errichtet), entschieden wir uns aber, den Rest ihrer Tipps nicht zu befolgen. So kamen wir noch am gleichen Abend am Blue Mountains National Park an, wo wir am nächsten Tag wandern gingen. Die Blue Mountains heißen so, weil sie durch die Dämpfe der Eukalyptusbäume einen bläulichen Schimmer bekommen. Leider konnte man durch das anfangs regnerische und später noch diesige Wetter nicht so viel davon sehen. Schön war die Wanderung trotzdem. Außerdem tat sie uns als erste ernsthafte körperliche Anstrengung in Australien echt gut.

Denker-Tom in den Blue Mountains Three Sisters im Blue Mountains NP

Nach den Blue Mountains war es nur noch ein Katzensprung nach Sydney, also fuhren wir noch am gleichen Tag dorthin. Wir haben auf unserer Reise festgestellt, dass wir meistens von schönen Landschaften mehr zu begeistern sind, als von Städten. Nach dem Sightseeing am Dienstag in Sydney müssen wir aber sagen, dass das eine echt schöne Stadt ist. Wir schauten sie uns erstmal bei einer Bootstour vom Wasser aus an. Dabei konnten wir die vielen kleinen Strände, einige teure Promi-Domizile und natürlich Harbour Bridge und Opernhaus bewundern. Dann sahen wir uns zu Fuß das Queen Victoria Building, das Rathaus, die botanischen Gärten, das Krankenhaus (mit berühmter Schweine-Statue) und nochmal das Opernhaus an. Den Abend verbrachten wir gemütlich mit Blick aufs Wasser an der Oper. Gestern schauten wir uns die Boote des National Maritime Museum an. Unter den Booten ist neben einigen Militärschiffen auch eine detailgetreue Nachbildung der Endeavour, mit der Captain Cook Australien entdeckt hat (zumindest behauptet er, er wäre der Erste gewesen). Unseren Besuch in Sydney schlossen wir mit einem Spaziergang über die Harbour Bridge ab.

Opernhaus Opernhaus mit Tomate Harbour Bridge bei Nacht Rattattattattatt die Endeavour

Heute mussten wir uns von Kylie und damit vom letzten Campervan unserer Reise verabschieden. Wir haben festgestellt, dass das Reisen auf diese Art eine gute Weise ist, um ein Land zu erkunden, in dem man sich ganz gut verständigen kann. Man ist immer in der Natur und kommt schnell mit Einheimischen ins Gespräch, die einem Tipps für unterwegs geben können (und das auch meistens sehr gerne tun). Außerdem ist es echt angenehm, Bett und Küche immer dabei zu haben und nicht abends erstmal ein Zelt aufbauen zu müssen nur um es am nächsten Morgen wieder einzupacken. Das war also bestimmt nicht unser letzter Tripp mit einem Campervan.

Morgen geht es weiter zu unserem letzten Abenteuer auf der Weltumrundung. Es sind dann noch genau 5 Wochen, bis wir nach Hause kommen. Diese 5 Wochen verbringen wir mit einer geführten Rundreise von Bangkok aus durch Thailand, Kambodscha, Vietnam und Laos. Wir sind sehr gespannt darauf. Einerseits natürlich, weil wir wieder viel zu sehen bekommen (u.a. Angkor Wat (oder wie oder wer?), das Mekong-Delta, Bangkok und Chiang Mai) und fremde Kulturen kennen lernen (besonders auf das Essen freuen wir uns). Wir sind aber auch sehr gespannt darauf, wie wir zurecht kommen, da wir die Sprachen dort gar nicht sprechen und bestimmt auch nicht mal eben so lernen können. Auch auf die anderen Alltäglichkeiten (Verkehr, Unterkünfte, Nachtzüge usw.) sind wir mal sehr gespannt. Aber zum Glück haben wir ja wieder Guides, die uns hoffentlich genauso gut an die Hand nehmen wie ihre Kollegen in Südamerika das getan haben.

30Dezember
2014

Heiße Weihnacht

Wie die Zeit vergeht… Jetzt ist Weihnachten schon wieder vorbei, aber uns kommt es gar nicht so vor, als wäre überhaupt Weihnachten gewesen. Das ist wohl auch kein Wunder, wenn man bei 30 °C und mehr fernab der Heimat im eigenen Schweiß vergeht. Wir hoffen, Ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest im Kreis Eurer Lieben und seid jetzt fit für die Silvester-Aktivitäten, die noch folgen.

Wir hatten am Sonntag erstmal eine nette Überraschung. Waren wir im Daintree Forest noch ins Discovery Centre gegangen, um einen Kasuar zu sehen, kam uns am Sonntag einer auf dem Campingplatz besuchen und brachte gleich sein Baby mit. Wir hörten erst aufgeregte Kinderstimmen und dachten uns, wir gehen mal gucken. Da lief der Riesenvogel noch am Rand vom Campingplatz rum. Doch auf einmal stand Frau Kasuar direkt neben unserer Kylie und ging bei allen verlassenen Frühstückstischen auf Futtersuche. Die Camper waren alle sehr gewissenhaft, sodass die Suche nicht besonders erfolgreich verlief und die Dame samt Nachwuchs sich zurück zog. Wir sahen sie wieder am Waschhaus, wo Reni ihr mit Zahnbürste in der Hand unfreiwillig sehr nah kam. Reni dachte kurz an den Satz des Campinglatzbesitzers am Vorabend: „Try to be the bigger person.“ Nein, der Kasuar war definitiv größer. Aber nach einem furchteinflößenden Blick gingen Frau Kasuar und ihr Baby wieder weiter und das Ganze blieb eine schöne Erinnerung.

Riesenvogel

Wir fuhren an dem Tag weiter nach Airlie Beach, wo unser 3-tägiges Segelabenteuer durch die Whitsunday Islands am nächsten Tag startete. Wir trafen uns morgens mit der Gruppe und stellten schnell fest, dass die hauptsächlich aus deutschen Abiturienten und Studenten bestand, die nochmal was erleben wollten, bevor der Ernst des Lebens losgeht. Der Rest der Gruppe kam aus Kanada, Großbritannien, den Niederlanden und Mexiko. Bevor wir an Bord gingen, probierten wir erstmal wieder Wetsuits an, die die nächsten Tage unsere besten Freunde wurden. Außerdem mussten wir unsere Schuhe abgeben, da es an Bord sicherer war, sich barfuß zu bewegen. An den 3 Tagen „Segeln“ wurde mehr der Motor benutzt, als wirklich gesegelt. Das fand vor allem Tom etwas schade, der immer emsig geholfen hat, wenn die Segel mal gehisst wurden. Trotzdem war es ein sehr schöner Tripp. Wir glitten gemütlich vorbei an den Whitsunday Islands und machten oft Halt für Schnorchelausflüge. Am ersten Tag gab es die Möglichkeit, zu tauchen. Wir nahmen die Gelegenheit beide wahr. Für Reni war der Schnuppertauchgang eher beklemmend, da sie mit dem Atmen nicht richtig zurecht kam und mit der ganzen Ausrüstung irgendwie die Bewegungen nicht koordinieren konnte. Aber Tom kam besser zurecht und meldete sich für den nächsten Tag zum zweiten Tauchgang an. Dabei durfte er sogar mal eine Seegurke halten, was wohl nicht viele von sich behaupten können. Beim Schnorcheln sahen wir unglaublich viele bunte Fische und Korallen und hatten auch immer reichlich Zeit, die Unterwasserwelt zu erkunden. Neben dem Unterwasser-Spaß machten wir an Tag 2 einen kleinen Spaziergang zu einem Traumstrand und schauten später dem Skipper beim Füttern der Seeadler zu. Die Abende bestanden aus Sprüngen vom Boot (Tom kann jetzt einen Salto rückwärts ohne Gesichtslandung (meistens)), traumhaften Sonnenuntergängen und später am Abend aus Trinkspielen und anderen Peinlichkeiten. Man merkte ein bisschen, dass wir eher zu den Leuten gehörten, die den Altersdurchschnitt anhoben, aber hatten trotzdem unseren Spaß. Am letzten Tag gab es mit „Turtle Bay“ noch ein letztes Highlight. Der Name versprach nicht zu viel und wir sahen wirklich ein paar Schildkröten, die uns erstaunlich nah kamen. Unglaublich, wie elegant sich diese oft plump wirkenden Tiere unter Wasser bewegen können. Wir segelten dann etwas rasant zurück in Richtung Airlie Beach, wo wir unsere Schuhe wieder bekamen. Die Zivilisation fühlte sich nach 3 Tagen barfuß und nur mit Schwimmsachen bekleidet erstmal komisch an. Außerdem waren wir salzverkrustet (man musste auf dem Schiff Wasser sparen) und hatten Sonnenbrand an den unmöglichsten Stellen.

Sonnenuntergang über den Whitsundays Taucher-Tom Backflip-Bisschops

Wieder auf dem Campingplatz angekommen verbrachten wir Heiligabend auf australische Art: mit einem Poolgrillen. Das war die Weihnachtsfeier vom Campingplatz. Der Abend war sehr gemütlich, aber für uns auch nicht sehr weihnachtlich. Wir saßen unter Palmen und Mangobäumen, die tagsüber von Kakadus bevölkert waren. Abends wurden die Kakadus durch riesige Flughunde abgelöst. Das ist nicht sehr weihnachtlich, aber trotzdem irgendwie toll. Den ersten Weihnachtstag verbrachten wir mit Kylie auf dem Highway. Es war unglaublich warm und das einzige Weihnachtliche waren die Weihnachtsmusik und unser hässlicher Weihnachtsschmuck. Aber wenigstens waren die Straßen ab Mittag wie leer gefegt. Wir fuhren zum Ort Seventeen Seventy, das sich angeblich lohnen sollte. Wir trafen aber erstmal auf unfreundliche Menschen. Am nächsten Tag merkten wir, dass nicht nur der Campingplatz, sondern auch der Ort völlig überlaufen waren. Eine billige Surfstunde, für die der Ort unter anderem bekannt ist, war erstmal nicht mehr zu bekommen. Also entschieden wir uns, direkt wieder weiter zu fahren. So bestand auch der zweite Weihnachtstag aus wenig weihnachtlichen Aktivitäten.

Weihnachten auf dem Highway

Das nächste Ziel war Hervey Bay. Dort buchten wir für den nächsten Tag eine Tour nach Fraser Island. Wir wollten eigentlich 2 Tage dort bleiben, aber diese Touren waren bis Neujahr ausgebucht. Also verbrachten wir nur einen Tag auf der größten Sandinsel der Welt. Auf Fraser Island kann man sich nur mit Allradantrieb fortbewegen, in unserem Fall mit einem Bus mit Allradantrieb. Die Fahrt war recht holprig, zumal der Busfahrer öfter mit seinem großen Reisebus eiskalt die Landcruiser und Jeeps überholte. Obwohl es durch die Natur ging, war von der Tierwelt leider nicht so viel zu sehen. Das lag wohl auch daran, dass die Insel tagsüber von unzähligen Touristen bevölkert ist. Wir klapperten die üblichen Ziele ab: Central Station, wo wir einen kleinen Spaziergang durch den Wald machten, Lake McKenzie, wo wir schwimmen gehen konnten, das Moheno-Schiffswrack, die Coloured Sands-Formationen und den Eli Creek, durch den man waten konnte. Letzterer wirkte bei den Touristenmassen eher wie der Ganges zur heiligen Waschung. Aber so ist das halt, wenn man in der Hauptsaison eine Hauptattraktion besucht.

Moheno-Schiffswrack auf Fraser Island Tom im Eli Creek

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Rainbow Beach. Unser Aufenthalt dort war sehr entspannt. Reni hatte sich mal wieder was gefangen, in diesem Fall eine Erkältung (was auch sonst bei über 30°C und Sonnenschein), und so verbrachten wir einen sehr gemütlichen Tag am Strand. Dazu gab es so viel Eis wie möglich. Bei so einer guten Therapie verzogen sich Hals- und Kopfweh auch schnell wieder.

Rainbow Beach-Reni

Wir hatten für Neujahr eigentlich ab dem 30.12. ein Buschcamp mit Kajaktouren in Noosa gebucht, sodass wir uns auf Silvester am Lagerfeuer am AdW vorbereitet hatten. Nun haben wir aber die äußerst schlechten Bewertungen des Camps im Internet gelesen. Da wir noch nichts dafür bezahlt haben, haben wir uns spontan dazu entschlossen, einfach nicht hinzugehen. Stattdessen hängen wir nun in Boreen Point (auch bei Noosa) an einem See, auf dem wir heute kajaken waren. Hier wird wenigstens ein bisschen was los sein an Silvester und so freuen wir uns nun auf ein warmes und mittelruhiges Neujahrsfest.

Ruder-Reni

Egal, wie Ihr den Jahreswechsel verbringen werdet: Wir wünschen Euch viel Spaß dabei und ein glückliches, erfolgreiches, gesundes, fröhliches usw. neues Jahr!

20Dezember
2014

Vom Kiwi zum Kasuar

Wir haben uns auf unserer Reise mittlerweile vom schönen Neuseeland verabschiedet. Unsere Zeit dort ging recht schnell vorbei. Drei Wochen sind auch zu wenig, um ein Land mit so vielen schönen Flecken zu sehen. In den letzten Tagen meinte das Wetter es auch etwas besser mit uns, sodass wir noch einiges unternehmen konnten, ohne Schneeschuhe oder Regenponchos anzulegen.

Nach unseren aufregenden Tagen in Queenstown machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Wanaka. Dort gibt es die „Puzzling World“, ein Haus, in dem man zahlreiche optische Täuschungen bewundern und erforschen kann. Das war etwas ruhiger als Bungyspringen und Canyoning, aber auch ziemlich interessant.

starker Tom?

Nachdem wir den Vormittag in diesem verrückten Haus mit angegliedertem Labyrinth verbracht hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung Mount Cook. Das ist der höchste Berg Neuseelands. Wir hatten keine Bergwanderung geplant, zumal der Gipfel von Mount Cook sehr weiß und sehr hoch aussah und wir schon genug von Bergwandern im Schnee hatten. Also wanderten wir am nächsten Tag gemütlich unter anderem über 3 Hängebrücken um Mount Cook und seine Gletscher herum. Mit den Gletschern hatten wir hier auch mehr Erfolg, als beim Franz Josef, da das Wetter viel klarer war. So konnten wir die schönen weiß-blauen Gletscher, aber auch die dreckigen, die einem erstmal gar nicht auffallen, bewundern. Auch akustisch war die Gegend ganz schön beeindruckend. Ein Gletscher kann sich mehrere Meter am Tag bewegen und das hört man im Tal ganz gut. Einige Male dachten wir, es müsste jetzt eine größere Lawine abgegangen sein. Aber das waren wohl nur die Gletscher, die sich langsam vorschieben. Wir schauten uns nach der Wanderung noch einige Seen in der Nähe an, die vom Schmelzwasser der Gletscher gespeist werden und teilweise eine ganz intensive türkisblaue Farbe haben.

Mount Cook Wandern beim Mount Cook Tasman-Gletscher

Nach diesem eher spontanen, aber absolut lohnenswerten Abstecher zum Mount Cook machten wir uns langsam auf den Weg in Richtung Christchurch. Da wir noch zwei Tage übrig hatten, bis wir Frodo abgeben mussten, schauten wir uns das Örtchen Akaroa auf der Banks-Halbinsel an. Wir hatten gelesen, dass das lohnenswert wäre. Naja, in dem Ort an sich war nicht besonders viel zu tun und auch drumherum gab es nicht viel, was wir nicht schon gesehen hätten. Also entschieden wir uns, am nächsten Tag früh nach Christchurch aufzubrechen. Dabei nahmen wir einen kleinen Abstecher über eine „Nebenstraße“ (andere nennen es Feldweg, nur dass es durch eine eher hügelige Landschaft ging). Das Hinweisschild, dass die Straße für Campervans nicht geeignet ist haben wir dabei ignoriert. Auf diesem Weg sahen wir noch einiges von der hübschen Landschaft und es passierte das, was uns für einen typischen Neuseeland-Urlaub noch fehlte: Wir blieben hinter einer Schafherde stecken.

zum Glück nur eine kleine Schafherde

Trotz der Schafherde kamen wir relativ früh in Christchurch an, sodass wir uns die Stadt noch etwas ansehen konnten. Christchurch war mal eine Stadt, in der man sich vor allem viele historische Gebäude ansehen konnte. Heute kann man sich ein paar historische Gebäude ansehen, die kaputt sind oder nur noch durch Gerüste zusammen gehalten werden. Der Rest wurde schon abgerissen. Grund dafür sind zwei Erdbeben in 2010 und 2011. Vor allem das letzte war für die Stadt verheerend. Neben den über 180 Toten brachte das Erdbeben der Stadt auch einen immensen Schaden im Stadtbild ein. Auch heute, fast 4 Jahre später, ist Christchurch noch stark durch die Folgen des Erdbebens gezeichnet. Die Kathedrale steht nur noch zur Hälfte, wobei keiner weiß, was damit passieren soll. Die historische Straßenbahn fährt nur noch einen Teil der Strecke und überall in der Stadt stehen Kräne und Container. Aber für die Neuseeländer sind Erdbeben nichts Neues und die Stadt versucht, sich nun neu zu erfinden. So befindet sich eine ganze Shoppping-Mall in vielen bunten Baucontainern und der Platz vor der Kathedrale wurde im Zeichen des Erdbebens, aber trotzdem fröhlich neu gestaltet. Für uns war der kleine Stadtrundgang in Christchurch bewegender, als erwartet, aber auch sehr schön, weil es einfach eine schöne und ruhige Stadt ist.

Kathedrale von Christchurch

Nach einer letzten Nacht auf einem Campingplatz bei Christchurch mussten wir dann am nächsten Tag Abschied von Frodo nehmen. Er war uns in Neuseeland ein treuer Gefährte und ein gutes Zuhause, auch in den kalten Nächten. Die letzte Nacht in Neuseeland verbrachten wir im Hostel, bevor es am Mittwoch zur nächsten Etappe nach Australien ging. Nachdem unser Flug von Brisbane nach Cairns vorverlegt worden war und wir ihn dadurch verpasst hatten, kamen wir dank einer netten Virgin Australia-Mitarbeiterin trotzdem noch am gleichen Abend in Cairns an. Dort haben wir am Donnerstag unser neues Auto abgeholt. Es ist klein, lebt in Australien und singt beim Fahren (weil der Wind durch die Ritzen pfeift). Also lag es nah, unser neues Gefährt „Kylie“ zu nennen. Anders als ihre Namenspatin wirkt unsere Kylie aber viel älter und schäbbiger, als sie ist. Das fehlende Warnsignal oder wenigstens ein Lämpchen, wenn man das Licht noch an hat, haben wir schon einmal schmerzlich vermisst. Aber wenigstens ihr bescheidener Innenraum ist wahrscheinlich gar nicht schlimm. Hier in Australien ist wirklich Sommer, sodass wir eh nicht so viel drinnen sitzen müssen (oder wollen).

Kylie

Wir haben uns am ersten Tag mit Kylie erstmal wie üblich mit den nötigsten Dingen eingedeckt und sind dann nach Norden gefahren. Ziel war Cape Tribulation. Dort gibt es einen schönen Strand, den wir uns gestern angesehen haben. Die giftigen Quallen, deren Saison gerade angefangen hat, haben wohl dazu beigetragen, dass wir den Strand ganz für uns alleine hatten. Das war schon ein bisschen, wie im Reisekatalog: ein weißer Sandstrand, menschenleer und man hört nur das Meer rauschen. Nach diesem angenehmen Start in den Tag fuhren wir weiter zum Daintree Discovery Center. Das ist ein kleiner Wildpark im Daintree-Regenwald, in dem man Tiere und Pflanzen des Regenwaldes beobachten kann. Dabei handelt es sich nicht um ein geschlossenes Gehege, sondern man hat einen Steg durch den vorhandenen Dschungel gebaut, ohne diesen einzuzäunen. Man kann dort unter anderem Baumfarne, Orchideen, bunte Schmetterlinge und Vögel beobachten. Wenn man Glück hat, kann man von dem kleinen Wegenetz aus einen Kasuar sehen. Wir hatten Glück und sahen einen dieser riesigen und etwas furchteinflößenden Vögel mit Dinofüßen. Der war ganz freiwillig da und zeigte keinerlei Angst vor den ganzen Touristen mit offenen Mündern und klickenden Kameras. So hatten wir also schon unsere erste faszinierende Begegnung mit der australischen Wildniss.

bei Cape Tribulation Kasuar von oben

Es ging danach wieder Richtung Süden nach Cairns, da heute eine Schnorcheltour am Great Barrier Reef anstand. Reni hatte etwas Respekt davor wegen den kleinen hochgiftigen Quallen, die sich gelegentlich vor der australischen Küste rumtreiben. Aber dieses besondere Erlebnis wollte sie sich natürlich nicht entgehen lassen. Die Guides der Tour versicherten uns, dass es derzeit keine Quallen am Riff gibt und da wir dieses Mal wirklich in ein Ganzkörperkondom gehüllt wurden (incl. Handschuhe, Kapuze und Flossen), verschwand die Angst auch schnell. Nach unserem Tag am Great Barrier Reef müssen wir ehrlich sagen, dass wir sehr gemischte Gefühle haben. Das Schnorcheln an sich war großartig. Wir haben in weniger als 2 Stunden im Wasser unvorstellbar viele Arten von Korallen und Fischen in allen möglichen Farben und Formen gesehen. (Fotos gibt’s leider nicht, da die überteuerte Leih-Kamera nicht in unser Budget passte.) Das war schon ein tolles Erlebnis. Und natürlich sind wir auch ein bisschen stolz, dass wir Schnorchel-Neulinge jetzt schon die Königin der Riffe erkunden durften. Daneben steht aber ein großes Aber. Wir haben am Riff auch viele zerstörte und abgestorbene Gebiete gesehen und das ist wirklich kein Wunder. Fast frachtschiffweise werden die Touristen dorthin gekarrt und zumindest bei unserer Tour gab es keine richtige Anleitung. Beim Flussschnorcheln in Bonito hat unser Guide uns damals nicht losgelassen, bevor er sicher war, dass wir nicht aus Versehen den Boden berühren oder sonst irgendwelchen Mist bauen. Wir durften weder Sonnencreme noch Make-Up tragen, da das dem Ökosystem nicht gut tut. Heute waren zwar Guides da, die aufgepasst haben, dass von uns keiner absäuft, aber es hat uns neimand gesagt, wie wir uns im Riff zu verhalten haben. Und auch als unsere Mitschnorchler reihenweise auf den Korallen standen, kam keine Reaktion. So kommt es, dass wir uns neben den tollen und unvergesslichen Erinnerungen heute auch ein bisschen schuldig fühlen, unser Geld so einer Firma in den Rachen geschoben zu haben. Solche Erfahrungen muss man als Reisender wohl auch machen.

Mittlerweile sitzen wir nach einem letzten abendlichen Erfrischungsbad im Meer (mit Quallennetz) auf einem Camping zwischen Cairns und Airlie Beach. Nach Airlie Beach fahren wir morgen, da von dort aus übermorgen ein weiteres besonderes Erlebnis startet: Mit einem Segelboot fahren wir 3 Tage lang durch die Whitsunday Islands und dürfen, wenn wir wollen, dabei auch einen kleinen Schnupperkurs im Tauchen machen. Wir hoffen, dass man dort etwas verantwortungsvoller ist und freuen uns auf unseren allerersten Segeltörn.

11Dezember
2014

Und das soll Sommer sein?

Im letzten Blogeintrag kündigten wir unsere 20 km-Wanderung im Tongariro National Park an. Die Wanderung nennt sich Tongariro Alpine Crossing. Wegen des „Alpine“ im Namen und da das Gebiet (bis 1900 m Höhe) für launisches Wetter bekannt ist, bereiteten wir uns auf verschiedene Wetterlagen vor. Was uns da letztendlich begegenete, hatten wir aber nicht erwartet. In der Nacht vor unserer Wanderung verwandelte sich Neuseeland in Neuschneeland und es gab tatsächlich Schnee und Eis bis in die tieferen Lagen des Tongariro National Parks. Nicht nur wir waren darüber ganz schön verdutzt, sondern auch der Busfahrer, der seit Jahren täglich Touristen dort hin und her fährt: „Schnee? Im Dezember???“. Da wir trotz unserer Ahnungslosigkeit noch recht gut ausgerüstet waren, beschlossen wir trotzdem los zu gehen. Unterwegs begegneten wir den unterschiedlichsten Menschen. Einige waren Reinhold Messmer-mäßig ausgerüstet, während andere versuchten, in Turnschuhen und kurzen Hosen den Berg hoch (oder eher runter) zu rutschen. Ein Mann, der uns entgegen kam, hatte sogar einen durch und durch vereisten Bart, während er eine in Rettungsdecke gehüllte Person begleitete. Das machte uns etwas Angst, aber nach einem unsicheren Lachen redeten wir uns ein, dass es wohl nicht so schlimm sein kann. Zum höchsten Punkt der Wanderung wurde es wirklich sehr ungemütlich, da die immer stärker werdenden Sturmböen das Gehen fast unmöglich machten. Wenn Reni ihre Stöcke nicht dabei gehabt hätte, wäre sie vom Berg geweht. Nach dem Gipfel wurde es aber schnell wieder besser und wir konnten die sagenhaften Aussichten auf Vulkankrater, Seen und Rauchschwaden genießen. Am Ende des Tages konnten wir im Sonnenschein auftauen und fühlten uns völlig erschöpft, aber glücklich.

Reni im Schnee Winter-Tomate aktive vulkanische Zone

Nach diesem anstrengenden und sehr anderen Tag entspannten wir in Napier an der Ostküste bei einer Partie Minigolf. Napier ist eine Stadt, die für ihre Art Déco-Architektur bekannt ist. In den 1930er Jahren wurde die Stadt durch ein Erdbeben zu großen Teilen zerstört und danach im Art Déco-Stil wieder aufgebaut. Wir fanden die Stadt hübsch, aber auch ein bisschen spießig. Am örtlichen Countdown-Supermarkt wurden wir vom hauptberuflichen Parkplatz-Nazi schriftlich verwarnt, da unser Frodo das 60 Minuten-Parklimit überschritten hatte. Da es hier keine Parkscheiben gibt, muss jemand Frodo beobachtet und die Zeit gestoppt haben. Nach einer bösen E-Mail an das Countdown-Management brachen wir früh zu einem unserer Highlights in Neuseeland auf: Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu. Wie man vermuten könnte, ist das der Ort mit dem längsten Ortsnamen der Welt. Die Übersetzungen des Namens gehen ein bisschen auseinander. Im Allgemeinen geht es aber um einen Mann, der auf einem Berg auf seiner Flöte gespielt hat (nein, nicht die Flöte). Außer dem Berg gibt es da aber nicht viel. Deshalb sind wir auch dort nach dem Fotoshooting am unglaublich langen Ortsschild schnell wieder weiter gefahren. Nächster Zwischenstopp war Holdsworth, wo wir eine weitere stürmisch-kalte Wanderung machten. Wir schafften die Strecke ohne einen Baum auf den Kopf zu bekommen und konnten so unsere Reise nach Wellington fortsetzen.

Den Namen schreiben wir nicht nochmal.

In der neuseeländischen Hauptstadt hatten wir am Freitag noch etwas zu erledigen. Wir hatten schließlich letzte Woche mit einem mulmigen Gefühl im Magen unsere Pässe an die vietnamesische Botschaft verschickt und hofften nun, sie mit Visum wieder zu bekommen. Unser Besuch in der Botschaft war unkomplizierter, als gedacht. Zehn Minuten später und 240 NZD leichter verließen wir das Gebäude mit 2 Vietnam-Visa. Somit steht unserer Asien-Reise theoretisch nichts mehr im Weg. Wir schauten uns Wellington danach erstmal von einem schönen Aussichtspunkt an. Für eine Hauptstadt ist es ganz schön klein, aber hübsch mit vielen kleinen Holzhäusern, die sich über die Hügel verstreuen. Da es draußen kalt und ungemütlich war, verbrachten wir den Rest des Tages im Te Papa-Museum. Dort lernt man viel über die einheimischen und eingeschleppten Tierarten sowie die „awesome forces“ (Wortwahl des Museums), die zur Entstehung Neuseelands geführt haben oder das Wetter hier bestimmen. Außerdem bekommt man einen Einblick in die Kultur der Maori.

Am nächsten Tag ging es mit der Fähre zur Südinsel. Nachdem wir unseren Frodo mit Hilfe der „awesome crew“ (Wortwahl des Fährbetreibers) erfolgreich in der Fähre verstaut hatten, genossen wir eine schöne Überfahrt über eine relativ ruhige Cook-Straße. Die Idylle wurde ein bisschen gestört, als sich in der Lobby ein spielfreudiger Tourist mit einer fremden Schreckschusswaffe in die Hand schoss. Der Schreck war aber offensichtlich größer als der Schaden. Wir waren trotzdem ein bisschen geschockt, was einem so im friedlichen Neuseeland passiert. Nach einer kurvenreichen Fahrt kamen wir schließlich in Marahau an. Das ist ein kleiner Ort vor den Toren des Abel Tasman National Parks. Von dort aus starteten wir am nächsten Tag zu einem wirklichen Highlight unserer Neuseeland-Reise.

Roy und Inge (Toms Bruder und Schwägerin) hatten uns vor unserer Reise einen Gutschein für einen Tag „Canyoning“ im National Park geschenkt. Mit dem Begriff konnten wir erstmal nicht viel anfangen. Nach ein bisschen Recherche fanden wir heraus, dass Canyoning bedeutet, dass man sich auf verschiedene Arten durch eine Schlucht bewegt. Dazu kann gehören: Schwimmen, Springen, Rutschen, Abseilen, Ziplining (an einem Karabiner hängend ein gespanntes Seil runter rutschen) und Wandern. In unserem Paket war ein bisschen von allem dabei und wir freuten uns sehr darauf, auch wenn bei Reni der Tag eher als Therapie gegen Höhenangst gedacht war. Der Tag war tatsächlich ein voller Erfolg. Nach einem kurzen Briefing incl. Anprobe der super sexy Wetsuits (auch Ganzkörperkondom genannt) ging es mit einer wagemutigen kleinen Gruppe in den Canyon. Tom traute sich an jede Herausforderung, die unsere Guides für uns bereit hielten. Dazu gehörten unter anderem Sprünge von Felsen in den Fluss aus 6 bzw. 8 m. Reni traute sich das nicht, da die Höhenangst in Kombination mit Wasser und Steinen, die einen umbringen könnten, irgendwie schlimmer ist. Dafür hatte sie beim Ziplining besonders ihren Spaß. Am Ende des Tages waren wir mal wieder erschöpft und auch ein bisschen durchgefroren, aber auch sehr glücklich und stolz.

 Reni beim Ziplining Tom auf der Wasserrutsche

Der nächste Tag bestand abgesehen von einem Besuch bei der längsten Hängebrücke Neuseelands hauptsächlich aus Fahren. Unser Ziel waren der Franz Josef- und der Fox-Gletscher. Die beiden wollten wir am nächsten Tag besuchen. Am Anfang spielte das Wetter auch noch ganz gut mit und man konnte aus der Ferne einen guten Blick auf den beeindruckenden Franz Josef-Gletscher werfen. Als wir näher kamen, dachte sich das Wetter aber, es wäre zu sommerlich und der Himmel zog zu, sodass man vor lauter Wolken und Niesel nur noch wenig Gletscher sah. Nachher hörte es aber auf zu nieseln und es fing an zu regnen. Den Fox-Gletscher sparten wir uns also, da wir auch von dem nicht viel gesehen hätten. Stattdessen machten wir uns weiter auf den Weg nach Queenstown.

längste Hängebrücke Neuseelands Franz Josef-Gletscher

Hier kamen wir vorgestern an und wollten gestern eigentlich nur mal schauen, was man in dieser kleinen Stadt so machen kann. Adrenalinjunky Tom wollte sich noch zu einem Bungeesprung erkundigen. Aus unserem kurzen Besuch im „I-Centre“ wurden aber mehrere Stunden. Die nette junge Dame am Thresen bekam einen Schock, als wir ihr sagten, dass wir recht unvorbereitet nächste Woche in der Hauptsaison nach Australien fliegen. Wohl nicht ganz uneigennützig stürzte sie sich auf uns, machte uns einen guten Zeitplan für Australien und verkaufte uns nebenbei (zugegeben sehr günstig) ein schönes Paket aus Aktivitäten in Australien und einem Bungeesprung für Tom. Den hat er heute absolviert. Ganze 134 m über dem Nevis-Fluss hat er sich nur an einem Gummiseil hängend in die Tiefe gestürzt. Ptoooing. Dabei war er völlig enspannt, während Reni schon beim Blick durch den Glasboden in der Absprunggondel zu viel bekam. Und wie war der Sprung? Kurz. Achja, und natürlich awesome! Den Rest des Tages haben wir heute gemütlich in der Stadt verbracht. Für die nächsten Tage haben wir noch keinen wirklichen Plan, außer dass wir Dienstag in Christchurch Frodo abgeben müssen und Mittwoch nach Cairns, Australien fliegen. Dafür haben wir jetzt schon einen Plan für Australien, was sich gut anfühlt.

bei Queenstown Bungeeeeeee

Neuseeland hätten wir uns zu dieser Jahreszeit irgendwie wärmer und sonniger vorgestellt. Auch die Einheimischen sagen, dass es dieses Jahr ein außergewöhnlich kalter Frühling und Sommeranfang ist. Da haben wir wohl einfach nur Pech gehabt. Aber nur vom Wetter lassen wir uns unsere Laune nicht verderben. Auch mit Wolken, Regen, Schnee und fiesen kalten Nächten ist Neuseeland immer noch wunderschön. Also werden wir wohl auch die letzten Tage hier noch genießen.

01Dezember
2014

Awesome!!!

Letzte Woche sind wir im Land der Schafe, Hobbits und Kiwis angekommen. Unsere Reise hier begann erstmal mit einer laaaangen Anreise. Von Lima ging’s nach Santiago de Chile und von dort mit dem 13-stündigen Direktflug nach Auckland. Hier landeten wir um 4 Uhr morgens und hatten somit noch einen ganzen Tag vor uns. Einerseits schön, andererseits nach einem Tag reisen auch ganz schön anstrengend. Wir nutzten unseren ersten Tag, um uns die größte Stadt Neuseelands anzusehen und ein paar Einkäufe zu erledigen. Vor allem die obligatorische SIM-Karte und hässlicher Weihnachtsschmuck für unseren neuen Mietwagen standen auf der Liste. Beim Stadtbummel fielen uns einige Dinge sofort auf: Es war unglaublich still in den Straßen (keine hupenden Taxis, keine schreienden Händler, die „Zapatooooos!“ anpriesen), wir kamen mit der Kommunikation ungewohnt gut voran und wir hörten überall in den unterschiedlichsten Zusammenhängen das Wort „awesome“ (großartig). Daran müssen wir uns hier wohl gewöhnen. Die Neuseeländer sind wohl ein begeisterungsfähiges Völkchen und lieben dieses Wort. Sie benutzen es in allen Abstufungen, wie z.B. „pretty awesome“ oder „very awesome“.

Nachdem wir unsere erste Nacht im Hostel verbracht hatten, durften wir am nächsten Tag unser neues Gefährt bzw. unseren neuen Gefährten entgegennehmen: Frodo. Er ist vielleicht nicht so bunt wie Melman, aber hat alles, was wir brauchen und Tom hat auf den kurvigen Straßen jede Menge Spaß mit ihm. Wir verließen Auckland am späten Nachmittag Richtung Bay of Islands und trauten unseren Augen kaum, als uns in der Dämmerung ein flügelloser Vogel durch’s Scheinwerferlicht lief. Nach sorgfältiger Internetrecherche können wir nun stolz behaupten, am 2. Abend in Neuseeland schon einen Kiwi gesehen zu haben. Und wir haben ihn nicht überfahren. Leider war er aber zu schnell für die Kamera.

Frodo

Die Bay of Islands im Norden der Nordinsel sahen wir uns am nächsten Tag an. Der Ort Russell dort bot alles, was man an der Bay of Islands erwartet: einen wunderschönen Ausblick über eine Bucht voller Inseln und hübsche Strände. Weiter ging es nach Kerikeri, wo wir bei einer Wanderung das üppige neuseeländische Grün und ein paar Wasserfälle aus der Nähe betrachteten. Schon da konnten wir uns ganz gut vorstellen, warum ein gewisser Herr Jackson hier so allerhand Fantasy-Filme gedreht hat. Das wurde aber am nächsten Tag noch getopppt. Wir fuhren in den Ort Waipu (Why poo?), wo es unter anderem die Waipu Caves gibt. Dort hängen etliche Glühwürmchen an der Decke, die die Höhlen mit einem wunderschönen Sternen- oder eher Würmchenhimmel versehen. Da konnten wir nur noch staunen.

Russell - Bay of Islands weihnachtlicher Frodo in Long Beach Rainbow Falls in Kerikeri Waipu Caves

Aber Waipu hat noch mehr zu bieten. Nach einer Nacht auf einem Campingplatz direkt am Strand machten wir am nächsten Tag eine Wanderung zu den Pancake Rocks. Diese Kalksteinfelsen sehen mit ein bisschen Fantasie teilweise wirklich aus wie gigantische versteinerte Pfannkuchen-Stapel. Nach einer etwas abenteuerlichen Wanderung (wir bekamen nasse „Füße“ oder eher Beine und mussten stellenweise unsere Kletterkünste unter Beweis stellen) fuhren wir zurück nach Auckland, wo der Rest des Tages ein paar nötigen Formalitäten gewidmet war. Dazu aber später noch.

Pancake Rocks Auckland

Nachdem alles Nötige in Auckland erledigt war, setzten wir unsere Reise fort zur Coromandel Halbinsel. Dort brachen wir am nächsten Tag nach einer weiteren Wald- und Wasserfallwanderung (von beidem gibt es hier so viel) zum Hot Water Beach auf. Da ist der Name Programm. Jeweils ca. 2 Stunden vor und nach der Ebbe sprudelt dort am Strand heißes Thermalwasser direkt unter der Oberfläche, sodass man sich mit Eimer und Schaufel bewaffnet dort sein eigenes Thermalbad machen kann. Ein bisschen Glück muss man schon haben, um die richtige Stelle zu erwischen. Es kann durchaus passieren, dass das Wasser an einer Stelle viel zu heiß ist und nur 2 m weiter keine Spur mehr von heißem Wasser ist. Da am Strand aber so viele Menschen sind, ist es durchaus möglich, an einer guten Stelle einfach ein großes Gemeinschaftsloch zu graben. Das war schon ein irres Erlebnis: haufenweise Erwachsene, die mit Eimerchen und Schäufelchen den Strand umgraben und am Ende gleich neben dem empfindlich kalten Meer in ihren heißen Pools sitzen.

Reni im Wunderwald Tom und ein paar Asiaten am Hot Water Beach

Nach diesem tollen Erlebnis fuhren wir weiter Richtung Süden nach Taupo am gleichnamigen See. Dort gibt es auch (wie an vielen Stellen in Neuseeland) heiße Quellen. Einer der heißen Ströme fließt über mehrere kleine Pools in den Waikato Fluss. In diesen Pools kann man kostenlos baden. Also ließen wir es uns gestern erneut im Thermalwasser gut gehen. Heute haben wir uns beim eher durchwachsenen Wetter mit kaltem Wasser von oben zufrieden geben müssen. Trotzdem haben wir eine kleine Wanderung am Waikato Fluss entlang genossen. Da gab’s übrigens wieder einen Wasserfall.

heiße Quellen am Waikato Fluss Huka Falls am Waikato Fluss

Für morgen haben wir uns eine große Wanderung im Tongariro National Park vorgenommen. 20 km an den drei Vulkanen des Parks vorbei oder vielleicht sogar drauf. Zu den Vulkanen gehören übrigens auch richtige Stars: „Mount Doom“ und „Mordor“ aus Herr der Ringe. Wir mischen uns unter die frühen Vögel und starten schon um 6:30 Uhr. Aber nach dem Inka Trail kann uns nicht mehr viel erschrecken, was frühes und langes Wandern angeht.

Wir haben in unserer ersten Woche hier schon gemerkt, dass Neuseeland ein wunderschönes und vor allem camperfreundliches Land ist. Man sollte allerdings immer die Beschreibungen von Wanderwegen oder Campingplätzen ernst nehmen. Wenn bei einer Wanderroute davor gewarnt wird, dass man nasse Füße bekommen kann, heißt das nicht etwa, dass man mit Flip Flops evtl. mit Wasser in Berührung kommen könnte. Bei dieser Warnung kann man auch schonmal durch knietiefes Wasser waten. Und auch wenn ein Campingplatz angibt, kalte Duschen zu haben, dann ist das ernst zu nehmen. Wir hatten in Südamerika schon Duschen, die nicht warm waren. Aber bei den Duschen hier ist das Wasser gerade so noch flüssig. Da kann das Haare Waschen schonmal weh tun (Brainfreeze!). Aber wir haben auch gemerkt, dass die Neuseeländer echt nett sind. Gleich auf dem ersten Campingplatz gab uns eine nette ältere Dame morgens ein großes Stück Fisch (Snapper), da ihr Mann früher am Morgen zu erfolgreich beim Angeln war. Und auch sonst haben wir bisher nur nette Leute hier getroffen. Alles in allem ist unsere Reise bisher also…awesome.

Wir haben mittlerweile noch etwas weiter geplant. Nach ein paar prüfenden Blicken auf unsere Konten haben wir uns gedacht, dass noch eine schöne Südostasien-Reise drin ist. Die haben wir jetzt gebucht. Am 9.1. landen wir in Bangkok und ab dem 12.1. reisen wir mit einer „Yolo-Tour“ 30 Tage durch Thailand, Vietnam, Kambodscha und Laos. Weil yolo. Dafür mussten wir von Auckland aus schonmal unser Vietnam-Visum beantragen, das wir hoffentlich am Freitag in Wellington abholen können.

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